Montag, 15. Oktober 2012


Die Nacht über habe ich kaum geschlafen. Ich war hellwach, von den Gedanken wach gehalten, gequält. Meine Hände zitterten, meine Zähne klapperten, mein Kopf tat weh. Mit drei Decken lag ich in meinem Bett, mein Handy, mit Whatsapp offen, neben mir, der Fernseh lief und trotzdem nur die Gedanken in meinem Kopf.
Ich hatte mit Paul geschrieben und hatte angst, dass er bemerkt wie schlecht es mir ging. Doch ich hatte Glück, Unglück, er bemerkte nichts. Bis halb 4 morgens schrieben wir, bis ich zu viel Druck und Gedanken hatte, und ich mich verabschiedete. Noch ca. eine halbe Stunde blieb ich wach, bis meine Augen zufielen. 
Um 6:25 Uhr kam meine Mama in mein Zimmer und wollte mich wecke, im Unwissen, dass ich schon seit einer halben Stunde wach war. Meine Augen machte ich schnell zu um sie nicht wieder zu beunruhigen, da sie sich immer Sorgen um mich macht, egal was ist.  Ich spürte ihre Hand auf meiner Wange und meine Tränen fingen an zu fließen. Ich machte die Augen auf und tat so, als wäre ich noch total müde, was ich auch war. Sie sagte mir die Uhrzeit und dass ich ins Bad gehen solle, weil ja ab heute wieder Schule sei. Schnell wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und antwortete mit "ja Mama, sofort." Ich stand auf, nahm meine Klamotten und ging ins Bad. Verzweifelt und abwesend nahm ich nur wenig der Worte meiner Mama war. Ich bekam mit, dass ich Denise wecken soll und irgendwas mit 20 Grad. Ich machte mich fertig und weckte meine Schwester. Sie wollte nicht aufstehen und ich tat so als hätte ich super Laune. Nachdem ich sie 7 Minuten lang genervt hatte stand auch sie endlich auf. In meinem Zimmer nahm ich schnell meine Schultasche, mein Handy und meine Jacke, ging dann langsam und mit Tränen in den Augen nach unten, als mir eine Freundin in Whatsapp schrieb. Da ich total abwesend war, erschrak ich sehr, als ich den Whatsappton meines Handys wahr nahm. Zwar konnte ich den Text lesen aber ich wusste nicht wirklich, was ich da gerade gelesen hatte, beziehungsweise was sie von mir wollte.
Ich zog meine Schuhe an, ging in die Küche und nahm meine Tabletten, als meine Oma mich plötzlich frage was los sei. Als ich ihr sagte, dass ich einfach Schnupfen habe, was auch stimmt, guckte sie mich ungläubig an und wollte mir dann einen Vitaminsaft geben. Zum Glück war ich spät dran und konnte mich rausreden. Ich ging zur Bushaltestelle und setzte mich zu einer Freundin. Sie redete wie immer direkt auf mich ein doch dieses Mal bekam ich nichts mit obwohl ich ihr zuhören wollte. Es waren einfach zu viele Gedanken in meinem Kopf. Dieser Druck, den ich hatte, wurde immer stärker und der Wunsch, dünner zu werden immer größer! 
Im Bus setzte ich mich alleine hin und hörte "Skinny Love" von Birdy. 
Als ich in die Schule kam und bei Paul (bester Freund) und Kathrin (Cousine) stand, musste ich mich sehr bemühen nicht zu weinen. Ich habe mich dazu entschlossen ihnen nichts mehr von meinen Problemen zu erzählen. Niemanden will ich mehr mit meinen Problemen belasten.
Ich höre nur noch "depressive Musik", die für mich nicht depressiv ist. Sie hilft mir und ich brauche diese Musik im Moment so sehr. Sie hält mich nicht am Leben, jedoch auf den Beinen. Nicht nur die Musik hilft mir, auch Paul hilft mir sehr. Doch ab jetzt werde ich wieder alleine damit klar kommen. Auch Jasmin werde ich nichts mehr sagen. 
In der Schule konnte ich heute stark bleiben, äußerlich. Paul bemerkte, dass ich kurz vorm Weinen war aber ich leugnete es. Ich will nicht, dass jemand mitbekommt, wie ich wieder in die Krankheit reinrutsche.. 
In Mathe habe ich eine 3.. Nicht besonders gut aber schon mal ein Anfang. Mama sagt sie sei stolz auf mich. Doch ich kann es nicht glauben. Wie kann man stolz auf mich sein? Sie und Oma sagen auch sie lieben mich, doch wie kann man mich lieben? Ein Mädchen, dass sich selbst verletzt, hungern will und ständig aggressiv  gegenüber ihrer Mutter und Oma ist. Ich hasse mich und ich kann einfach nicht verstehen, wie sie mich lieben können. Sie sollten mich hassen! 
Als ich von der Schule nach Hause kam war niemand zu Hause. Das Essen stand auf dem Herd und auf dem Tisch lag ein Zettel.. 
"Hallo Celine, Essen steht auf dem Herd. Ich bin mit Dita beim Arzt. Heute musst du nicht zu deiner Therapeutin? Wenn doch, ruf mich auf dem Handy an. Bis später, Oma!"
Ich hatte zwar großen Hunger doch ich wollte nichts essen. Mein Kopf wollte mich nicht essen lassen. Doch ich hatte es meiner Mama versprochen. Also musste ich essen. Ein bisschen Kartoffelbrei, eine Bratwurst und etwas Rotkraut. Schon von dem Anblick wurde mir schlecht. Ich setzte mich ins Wohnzimmer und aß das widerliche Essen. In meinem Kopf kamen immer mehr Vorwürfe.. Du bist schon fett genug! Kannst du nicht hungern? Bist du nicht nur fett sondern auch noch dumm? Du wirst niemals dünn sein! Es machte mich so fertig dass ich hoch ins Bad rannte und versuchte mich zu übergeben. Als es nicht funktionierte nahm ich eine neue Zahnbürste und versuchte es damit. Es klappte und ich weinte immer weiter. 
Ich ging in mein Bett, machte meine Musik an und dachte weiter nach, wie den ganzen Tag schon.

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